Frankreich: Neues Gesetz zur Eindämmung des islamischen Radikalismus bedroht Protestanten

von Mark Durie 

Melbourne, 3. Februar 2021 – Vor sechs Jahren, als ich als Pfarrer einer anglikanischen Kirche diente, schrieb die australische Kommission für Wohltätigkeit und gemeinnützige Organisationen an die Gemeinde und forderte sie auf, Maßnahmen zu ergreifen, die Finanzierung von Terroristen zu unterbinden.

Eine ruhige anglikanische Vorstadtgemeinde vor der Finanzierung von Terrorismus zu warnen, scheint mehr als nur ein wenig lächerlich zu sein, aber für einige Arten von Wohltätigkeitsorganisationen könnte es durchaus angemessen sein. Zum Beispiel verwaltete der Islamische Rat von Victoria (ICV) in den 1990er Jahren ein „mujihadeen“-Konto, um Gelder für den Dschihad in Afghanistan zu sammeln, obwohl Vertreter des Rates später erklärten, dass der ICV niemals irgendwelche Dschihadisten finanzierte, die „extremistisch“ waren.

Die Mudschaheddin-Kampagne der ICV hatte eine religiöse Grundlage im Islam. Eine der verpflichtenden fünf Säulen des Glaubens ist es, finanzielle Beiträge zu leisten, bekannt als Zakat. Nach dem Koran können diese „Almosen“ für verschiedene Zwecke verwendet werden, von denen nicht alle dem konventionellen christlichen Verständnis von „Nächstenliebe“ entsprechen würden. Eine der erlaubten Verwendungen ist die Finanzierung von Dschihadisten. Der Koran nennt dies „Almosen … auf dem Weg Allahs“. Dieser Ausdruck wurde von dem renommierten muslimischen Kommentator Ibn Kathir erklärt als „‚auf dem Weg Allahs‘ ist ausschließlich zum Nutzen der Kämpfer im Dschihad.“

Mit der Schrotflinte auf den islamischen Radikalismus zu schießen birgt die Gefahr, die Freiheiten anderer Religionen zu beschädigen.

Die islamische Scharia stellt viele einzigartige und spezifische regulative Herausforderungen für säkulare Regierungen dar. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen sind die Behörden verständlicherweise nicht bereit, zwischen den Religionen zu diskriminieren. Wenn sie sich also daran machen, dem islamischen Radikalismus gesetzliche Grenzen zu setzen, besteht die Gefahr, dass die Freiheiten anderer Religionen beschädigt werden. Freiheiten und Privilegien, die christliche Wohltätigkeitsorganisationen derzeit genießen, könnten als Kollateralschaden einer Reaktion mit der Schrotflinte auf islamischen Radikalismus beschnitten werden.

Diese Gefahr erweist sich heute in Frankreich als allzu real. Unter Präsident Macron hat die Nation der liberté, égalité und fraternité ein Gesetz im Parlament, das den radikalen Islam eindämmen soll. Dieses Gesetz gilt für „1905-Vereine“, die auf Grund des Gesetzes über die Trennung von Kirche und Staat von 1905 gegründet wurden. In Wirklichkeit sind jedoch 80% der registrierten „1905-Vereine“ in Frankreich protestantische Kirchen. Die meisten französischen Moscheen wurden nicht als religiöse Einrichtungen nach dem Gesetz von 1905 gegründet, sondern als kommunale Organisationen nach einem anderen Vereinsgesetz von 1901. Die Änderungen des Vereinsgesetzes von 1905 werden sich also vor allem auf die Protestanten auswirken, darunter 90% der evangelischen Kirchen. François Clavairoly, Präsident des Protestantischen Bundes der Französischen Kirchen, hat erklärt: „Dies ist das erste Mal … dass ich mich in der Position befinde, die Freiheit der Religionsausübung zu verteidigen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass in meinem eigenen Land so etwas passieren könnte.“

80% der nach dem Gesetz von 1905 registrierten Vereine in Frankreich sind protestantische Kirchen.

Die katholische Kirche wird davon nicht betroffen sein. Sie hatte sich vehement gegen die Einführung der Vereinsregelung von 1905 gewehrt, bis 1924 ein Zugeständnis an die Katholiken gemacht wurde, „Diözesanverbände“  bilden zu können. Das bedeutet, dass die katholischen Kirchen nicht in das Schleppnetz dieser neuen Gesetze geraten werden.

Die vorgeschlagenen Änderungen können nur als drakonisch bezeichnet werden. Alle fünf Jahre werden die Kirchen bei ihrer Präfektur einen Antrag stellen müssen, um ihren Status als Kirche zu behalten, und der Präfekt kann eine Kirche ohne Anhörung oder Gerichtsverfahren schließen. Die Behörden können eine Kirche schließen, wenn die Lehren als Anstiftung zum Hass gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen angesehen werden, was den Staat in die Lage versetzt, die religiösen Überzeugungen und Predigten der Kirchen zu zensieren. Kirchen werden ihre Konten offiziell prüfen lassen müssen, was Tausende von Euro kosten wird, und ein Pastor wird persönlich mit einer Geldstrafe von 9.000 Euro belegt, wenn eine Kirche nicht regelkonform ist. Homeschooling, das von französischen Evangelikalen weithin praktiziert wird, soll mit wenigen Ausnahmen verboten werden: Die Freiheit des religiösen Gewissens gehört nicht zu den erlaubten Ausnahmen.

Frankreich hat eine bewegte und gewalttätige religiöse Geschichte, von den katholisch-protestantischen Kriegen des 16. Jahrhunderts und den Massakern an Protestanten in der Bartholomäusnacht 1572 bis hin zur Schreckensherrschaft und der gewaltsamen Entchristianisierung, die auf die Französische Revolution folgte, mit wiederholter Beschlagnahmung von Kirchenvermögen bis 1905.

Die Gesetzgebung ist ein Zeugnis für den religiösen Analphabetismus von Frankreichs Eliten.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass neue Gesetze, die den Dschihad eindämmen sollen, in Wirklichkeit die Protestanten am meisten treffen werden, die schon lange und bittere Erfahrungen mit Verfolgung und Diskriminierung in Frankreich gemacht haben. Dieses Ergebnis, wenn es denn eintritt, wird ein Zeugnis für den religiösen Analphabetismus von Frankreichs Eliten sein und vielleicht sogar ein Beweis für eine latente Feindseligkeit gegenüber dem Christentum, aber es wird wenig dazu beitragen, Frankreichs Probleme mit der Scharia zu lösen. Diese Gesetze werden die Christen ihrer Freiheiten berauben und Frankreichs viel gepriesener liberté, égalité und fraternité schaden.

Mark Durie ist Fellow beim Middle East Forum, Gründungsdirektor des Institute for Spiritual Awareness und Senior Research Fellow des Arthur Jeffery Centre for the Study of Islam an der Melbourne School of Theology.

Quelle: Markdurie.com

Übersetzt und bearbeitet von IIRF-D

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Indien: Eltern zwingen Frau zur Abtreibung, weil sie einen Dalit geheiratet hat

Die Frau von der „backward caste“ der Vanniyar wurde von ihrer Mutter angerufen, die sagte, sie sei krank. Als sie ankam, wurde sie eingesperrt, in eine Klinik gebracht und ihr Kind zwangsabgetrieben. Für Pater Devasagayaraj, den ehemaligen nationalen Sekretär der SC/ST-Kommission der CBCI, ist dies eine Folge der Endogamie, die von den Menschen verlangt, in der gleichen Kaste zu heiraten.

Mumbai (AsiaNews/Nirmala Carvalho)/ 3.2.2021 – Die Eltern einer 19-jährigen Frau aus Salem (Tamil Nadu) zwangen sie zu einer Abtreibung, weil sie einen Dalit geheiratet hatte.

Renuka Devi aus dem Dorf Thiruvachoor ist derzeit in einem Frauenhaus untergebracht, nachdem sie gezwungen wurde, ihre viermonatige Schwangerschaft abzubrechen. Ihre Eltern hinderten sie daran, ihren Ehemann zu treffen.

Renuka und Perumal, der ursprünglich aus Ramanathapuram stammt, haben im August 2020 in Tirupur geheiratet. Ihre Eltern waren gegen die Heirat, da er einer anderen Kaste angehörte.

Nach Angaben der Polizei gehört Renuka zu den Vanniyar, einer OBC (Other Backward Caste), während ihr Ehemann Perumal, ein Dalit, aus einer scheduled caste, stammt.

Nachdem sie geheiratet hatten, zog das Paar in Perumals Haus. Am 21. Januar erhielt Renuka einen Anruf von ihrer Mutter, die ihr mitteilte, dass sie krank sei. Die besorgte Tochter eilte zu ihrer Mutter nach Hause.

Als sie nach Thiruvachoor reiste, war Renuka im vierten Monat schwanger. Sobald sie ankam, schlossen ihre Eltern sie im Haus ein und hinderten sie daran, Perumal zu kontaktieren.

Am 26. Januar wurde Renuka in eine Klinik in Attur gebracht und einer Zwangsabtreibung unterzogen. Währenddessen ging ein besorgter Perumal zur Polizei und erstattete Anzeige.

Medienberichten zufolge gelang es ihr, ihren Mann zwei Tage später zu kontaktieren, indem sie das Telefon ihres Bruders benutzte. Perumal ging dann zum Superintendent der Polizei von Salem und reichte eine weitere Beschwerde ein. Später wurde Renuka von der Polizei gerettet. Ihr Vater Subramani und ihre Mutter Selvi wurden verhaftet.

Renuka wurde vorerst in ein Heim gebracht. Es ist nicht klar, ob die Klinik, in der die Abtreibung durchgeführt wurde, auch wusste, dass die junge Frau gezwungen worden war.

„Endogamie ist einer der Hauptgründe, warum das Kastensystem seit Jahrhunderten aufrechterhalten wird“, sagte Pfarrer Devasagayaraj im Gespräch mit AsiaNews.

Der ehemalige nationale Sekretär der Scheduled Castes/Scheduled Tribes (SC/ST)-Kommission der katholischen Bischofskonferenz Indiens (CBCI) sagte: „Die Vorstellungen von Reinheit und Verschmutzung bringen die Menschen dazu, die Endogamie strikt durchzusetzen. Die falsche Vorstellung von Kastenwürde und Hierarchie verleitet die Menschen sogar dazu, bis hin zum Ehrenmord zu gehen. Die Tötung des Fötus sollte auch als Ehrenmord betrachtet werden.“

Quelle: http://www.asianews.it/news-en/Parents-force-woman-to-have-an-abortion-because-she-married-a-Dalit-52247.html

Übersetzt und bearbeitet von IIRF-D

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Jemen: Menschen suchen nach Erleichterung

Die Suche nach Erleichterung im Kriegs- und Krankheitzerrütteten Land führt immer mehr Jemeniten zum Glauben an Jesus Christus, was Gefahr von anderer Seite bringt

Communio Messianica/IIRF-D/Tübingen/14.01.2021 Weiterverbreiteter Hunger, Mütter, die Ihre Säuglinge nicht mehr stillen können, weil sie selber verhungern, Cholera, fehlendes Trinkwasser, ausgebombte Dörfer und Städte, Covid-19… Die Bilder in den Medien sind seit Monaten verschwunden, weil die Welt sich für andere Themen interessiert. Für Menschen außerhalb des Jemens, wo zur Zeit die größte humanitäre Krise weltweit unter der Bevölkerung wütet, ist es schwierig, die politischen und religiösen Faktoren hinter dem langwierigen Bürgerkrieg im Jemen zu begreifen. Während die Einmischung von eigennützigen Nachbarländern den Krieg am Laufen hält, suchen viele traumatisierte Bürger Hilfe, indem sie christliche Online-Seiten aufrufen und christliche Radio- und Fernsehsendungen hören, bzw. schauen. 

So ist erstmals eine Kirche von Einheimischen Bürgerinnen und Bürgern im Untergrund gegen heftigen Widerstand im Jemen entstanden. Communio Messianica betreut diese Gemeinden und ihre Laienleitung, die dringend Schulung braucht. 

Internetdienste geben an, dass die Bibel im letzten Jahr 48.000 Mal heruntergeladen wurde, und Radio- und Fernsehsendungen erhalten fast täglich Reaktionen von Zuhörern. Berichte aus dem Jemen zeigen, dass sich im vergangenen Jahr Hunderte von Menschen zum Glauben an Jesus Christus bekannt haben und mindestens sechzig getauft wurden. Untergrundgemeinden sind in den meisten Regionen des Landes etabliert.

In Kooperation mit Communio Messianica und HMK Schweiz leistet IIRF-D humanitäre und geistliche Hilfe für die von Krieg, Armut und Krankheit geschundenen Jemeniten.

Gerne können Sie mit Ihrer Spende über IIRF-D helfen!

Sie können Ihnen über IIRF-D helfen. Mit Verwendungszweck „Jemen-Hilfe“ spenden Sie an unser IIRF-D Konto.

Konto: IIRF-D
Evangelische Bank Kassel
IBAN · DE11520604100005015871
BIC GENODEF1EK1

Wir setzen Ihre Spende für diese Menschen ein! Gerne geben wir auch nähere Auskunft. Schreiben Sie an buero@iirf-d.de !

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Zur Zahl verfolgter Christen weltweit – Was kann man wissen?

Wieviele Christen sind derzeit weltweit von Verfolgung bedroht? Welche Studien geben dazu Auskunft? Wie vergleichen sich die Ansätze? Und wie aussagekräftig und zuverlässig sind die Ergebnisse? Ein Plädoyer von Prof. Dr. Christof Sauer für einen sorgfältigen Umgang mit solchen Zahlen.

Jeder einzelne Mensch zählt

Ist es „unerheblich, wie viele Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden“, wie die EKD-weite Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen 2014 formuliert? Genügt es, sich darauf zurückzuziehen: „Jeder Mensch – auch global gesehen – ist nach dem biblischen Menschbild einer zu viel“?

Reicht es für Menschenrechtsarbeit nicht aus, jeweils nationale Situation aufgrund detaillierter Beschreibungen gut zu verstehen?

Zählen unmöglich?

Im jüngsten Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2019, meint der erfahrene Menschenrechtsexperte Max Klingberg: „Wie viele Christen konkret verfolgt werden, lässt sich unmöglich seriös sagen – die Unsicherheiten sind schlicht zu hoch“. Die Gründe: man sei sich nicht einig, was als Verfolgung bezeichnet werden kann, Verfolgungsgründe seien häufig nicht eindeutig, sondern vermengt, es gebe Unsicherheiten über die tatsächlichen Zahlen von Christen bzw. Verfolgten in betroffenen Ländern und Gebieten, und überhaupt fehlten zur Christenverfolgung „verlässliche Daten und zuverlässige Informationen“.

Warum Zahlen?

Jedoch bedienen sich Journalisten, Politiker, Aktivisten und Forscher gerne der in Umlauf gebrachten Zahlen zur Thematik. Gründe dafür nennen Judd Birdsall und Lori Beaman (Faith in numbers): Zahlen bringen etwas auf den Punkt, sie werden oft als objektiv betrachtet; und mit unerwarteten Zahlen kann man Aufmerksamkeit erregen.

Darüber hinaus gibt es Gründe, warum zuverlässige Zahlen auf nationaler und globaler Ebene auch für Menschenrechtsarbeit notwendig sind. Sie helfen Größenordnungen zu erkennen, Wandel auszumachen, Länder zu vergleichen und geben Anhaltspunkte für strategische Entscheidungen.

Thomas Schirrmacher und T. Müller ergänzen im Jahrbuch 2016: „Möglichst präzise Zahlen sind deshalb wichtig, weil aus einigen Kreisen bereits die Tatsache, dass Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden, in Abrede gestellt wird.“

Drei Zahlenquellen

Drei Stellen veröffentlichen kommentierte Berechnungen zum weltweiten Ausmaß von Christenverfolgung: Pew Research CenterCenter for the Study of Global Christianity und Open Doors International. Zu welchen Ergebnissen kommen sie? Welche Fragen führen dazu? Welche Methoden wenden sie an? Worin bestehen Stärken und Grenzen? Weiter will ich fragen: Was zeigt ein Vergleich? Wie sind die Ergebnisse zu deuten? Wie ist mit solchen Zahlen umzugehen?

Länder wo Christen eingeschüchtert werden

Der jüngste Bericht des Pew Research Centers über religiöse Einschränkungen weltweit erschien im Juli 2019. Er punktet seit 10 Jahren Länder nach zwei Indexen: Einschränkungen durch Regierungshandel auf jeglicher Ebene und Feindseligkeiten Einzelner und von Gruppen aufgrund von religiösem Hass oder Vorurteilen. Er fragt unter anderem: „Aus wie vielen Ländern wurden Einschüchterung oder Belästigung von Christen im Jahr 2017 berichtet?“

Das Ergebnis lautet 143 Länder. Die sich überschneidenden Ursachen sind in 123 Ländern das Regierende und in 101 Ländern gesellschaftliche Akteure. Insgesamt wurden 198 Länder untersucht und in 187 gab es mindestens einen Vorfall gegen irgendeine religiöse Gruppe. Dies beruht hauptsächlich auf der Auswertung der jährlichen Berichte zur Religionsfreiheit des US-Außenministeriums.

Was nützt dieses Ergebnis? Nun weiß man, wie viele Länder man genauer betrachten müsste. Diese Zahl bedeutet jedoch wenig, weil die Länder nicht benannt und die Zahl der Christen nicht erhoben wird. Auch bleiben Härte und Häufigkeit der Einschüchterungen oder Belästigungen unberücksichtigt und die Datengrundlage dünn.

Christen in 46 Problemländern

In einem Aufsatz über „Verfolgung im Kontext religiöser und christlicher Demographie, 1970-2020“ (in Christianity and Freedom, hg. v. Hertzke & Shah 2016) geht der Experte für christliche Bevölkerungsstatistik Todd M. Johnson vom Center for the Study of Global Christianity einmalig der Frage nach: Wie viele Christen leben in den Ländern mit der größten Bedrohung für Christen oder den schlimmsten Fällen? 

Dabei waren ihm die 46 Länder aus dem Buch Persecuted (Marshall u.a., 2013) vorgeben: fünf kommunistische Länder, 13 ‚Nationale Sicherheits-Staaten‘; vier südasiatische religiös-nationalistische Staaten, sowie 24 ausgewählte Länder mit muslimischer Mehrheit. 600 Millionen Christen leben 2020 in diesen Ländern nach der von Johnson 2013 angestellten Projektion aufgrund von Daten aus der World Christian Database.

Die Länder sind benannt, aber nicht systematisch abgegrenzt und ihre Auswahl möglicherweise überholt. Die Christenzahlen sind transparent, jedoch wird nicht gefragt, wie viele Christen in diesen Ländern tatsächlich von Verfolgung betroffen sind.

Christen in 73 Ländern mit mindestens hoher Verfolgung

Der jährlich im Januar erscheinende Weltverfolgungsindex von Open Doors geht aus der detailliertesten, systematischen und regelmäßigen Messung von Verfolgung von Christen hervor. Dabei wird auch erhoben, wie viele Christen in Provinzen leben, die von einem extremen, sehr hohen oder hohen Maß an Verfolgung betroffen sind. Auf der christlichen Bevölkerungsstatistik für April 2019 beruhend, waren das in den 50 problematischsten Ländern des Weltverfolgungsindex 260 Millionen und in allen 73 Ländern mit mindestens einem ‚hohen‘ Niveau von Verfolgung 312 Millionen Christen. Die Verfolgungserhebung betrifft das Zeitfenster von November 2018 bis Ende Oktober 2019.

Dies ist der nuancierteste Ansatz, weil er nach Provinzen unterscheidet, wo dieses Maß an Verfolgung herrscht, und wo nicht. Die Länderauswahl beruht auf einem sorgsam kalkulierten Wert, dessen Berechnung versucht alle relevanten Variablen einzubeziehen. Dazu stehen professionelle Expertise zum Thema Verfolgung und ein großes Informationspool zur aus erster Hand und Feldforschung zur Verfügung.

Das Ergebnis wäre für die Öffentlichkeit allerdings transparenter, wenn die errechneten bzw. geschätzten Zahlen betroffener Christen und Entscheidungsgründe auf Provinz- und Länderebene, soweit veröffentlicht werden, wie sie nicht für die Christen gefährdend sind. Auch die von der World Christian Database für 11 Länder abweichende Zahlen von Christen könnten besser begründet werden. Eine Schwäche ist, wie auch bei dem Ansatz von Pew, dass Länder mit großen (christlichen) Bevölkerungen leichter den Schwellwert überschreiten.

Mindestens drei Viertel nicht von starker Verfolgung betroffen

Johnsons Ansatz kommt auf eine doppelt so hohe Zahl wie der von Open Doors. Betrachtet man jedoch, welcher Anteil der 2,5 Milliarden Christen jeweils mitgezählt wird, liegen die Prozentsätze vergleichsweise nah beieinander, während die Länderzählung von Pew zum gegensätzlichen Ergebnis führt.

‘Betroffene’ Christen weltweit
Quelle (Jahr)‘betroffen’% ‘betroffen’% ‘nicht/weniger betroffen’
Pew (2017)*143 Länder72%28%
Johnson (2020)**600 Mio Christen23.5%76.5%
Open Doors (2018/19)**312 Mio Christen12.5%87.5%
* 198 Länder erfasst (100%). ** 100% Christen= 2.5 Milliarden

6 oder 7 Länder ausschlaggebend für die Größenordnung

Eines zeigt eine Untersuchung der Zahlen von Johnson und OD übereinstimmend: Eine weltweite Gesamtzahl verfolgter Christen wird maßgeblich durch 6 oder 7 Länder mit zugleich großer christlicher Bevölkerungszahl und einem hohen Anteil an Verfolgungsbedrohten geprägt. Dies sind China, Nigeria, Indien, Äthiopien, Indonesien und Ägypten. Unsicherheiten oder unterschiedliche Einschätzung zur Größe der christlichen Bevölkerung in diesen Ländern, wie in China und Ägypten beeinflussen das Ergebnis mit mehreren zig Millionen.

Die gewichtigsten Länder
JohnsonOD
Landchristl. BevölkerungLand‘Verfolgte’ Christen 
Russ. Föderation118.027.000China65.000.000
China109.594.000Indien46.336.000
Nigeria93.791.000Nigeria32.827.000
Indien66.194.000Äthiopien23.022.000
Äthiopien65.776.000Indonesien19.674.000
Indonesien32.790.000Ägypten16.250.000
Ägypten9.322.000Mexiko15.220.000
Summe 495.494.000 218.329.000

Weiter Annäherung und Vertiefung nötig

Alle untersuchten Ansätze lassen Raum für tieferes Nachforschen oder bessere Dokumentation. Im Vergleich bietet Open Doors derzeit die aktuellsten und tiefschürfendsten Daten zur Zahl der Christen, die von Verfolgung bedroht sind, und leistet die beste Annäherung an eine Zahl der weltweit tatsächlich verfolgten Christen. Ein gleichzeitiger Blick in die konkreten Ländersituationen bleibt unerlässlich.

(Eine ausführlichere Stellungnahme auf Englisch wird hier erscheinen: https://iirf.eu/journal-books/iirf-journal/)

Zum Umgang mit Statistiken

Wer die genannten Zahlen zitiert, sollte dies exakt tun und sie im beabsichtigten Rahmen interpretieren. Vereinfachungen führen meist zu ungebührlicher Simplifzierung. Eine Vernachlässigung der von den Erstellern beabsichtigten Nuancen führt leicht zu Verzerrungen oder Fehlaussagen.

Leser sollten die Grenzen wahrnehmen, die mit dem jeweiligen Ansatz verbunden sind.

Wer Statistiken zitiert, sollte auch ihre Entstehung kritisch untersuchen. Dabei sollte man hinter die Ergebnispräsentation und -interpretation zurück zu den zugrundeliegenden Daten gehen. Was wird gezählt oder gemessen? Wie wird das Phänomen abgegrenzt? Was ist die Qualität von Daten, Ansatz und Schlussfolgerungen?

Kritische Geister sollten die Ergebnisse solcher Berichte auch mit anderen derartigen Versuchen vergleichen. Aus ihnen sollten nur die belastbarsten und aussagekräftigsten Ergebnisse zitiert werden. Die Ergebnisse müssen auch in einen breiteren Bezugsrahmen eingefügt werden. Bei interreligiösen Vergleichen muss man darauf achten, wirklich Gleiches nebeneinander zu stellen.

Aus all diesen Gründen muss man sehr sorgsam vorgehen, wenn man aus den Daten seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen möchte.